"Dafür halte man uns: für Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes."
(Der Apostel Paulus an die Christen in Korinth, Die Bibel, 1. Korintherbrief, Kapitel 4 Vers 1)
Artikelübersicht > Gott richtig verstehen?
"Und es geschah nach diesen Begebenheiten, da prüfte Gott den Abraham und sprach zu ihm: Abraham! Und er antwortete: Hier bin ich. Und er sprach: Nimm doch deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, Isaak, und geh hin in das Land Morija und bringe ihn dort zum Brandopfer dar auf einem der Berge, den ich dir nennen werde! Da stand Abraham am Morgen früh auf und sattelte seinen Esel; und er nahm zwei Knechte mit sich und seinen Sohn Isaak; und er spaltete Holz zum Brandopfer, machte sich auf und ging hin an den Ort, den ihm Gott genannt hatte. (...)
Und Abraham streckte seine Hand aus und faßte das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu und sprach: Abraham! Abraham! Und er antwortete: Hier bin ich! Er sprach: Lege deine Hand nicht an den Knaben und tue ihm gar nichts; denn nun weiß ich, daß du Gott fürchtest, weil du deinen einzigen Sohn nicht verschont hast um meinetwillen!
"
Die Bibel, das 1. Buch Mose, Kapitel 22, Verse 1-3 und 10-12 (Text nach der SLT)
Wer kennt diese Bibelstelle nicht? Wie kaum eine andere Begebenheit hat dieser Text Religionsgeschichte geschrieben.
Auch im Rahmen meines Theologiestudiums hat mich diese Geschichte beschäftigt: Ich habe an diesem Text Hebräisch gelernt. Später habe ich erfahren, dass sogar Muslime diesen Text intensiv bedenken, allerdings mit anderen Schlussfolgerungen.
Eine sehr wertvolle Deutung ist mir viele Jahre nicht zugänglich gewesen. Ich habe sie in einer Predigt von Michael Noss gehört und dann in einer Andacht von Oswald Chambers (the supreme climb) wieder gefunden:
Abraham konnte Gott nur im Rahmen seiner eigenen Erwartungen und Erfahrungen verstehen. Nicht etwa hat Gott seine Meinung über die "Probe" geändert, sondern Abraham konnte überhaupt erst eine neue und richtigere Sicht über Gott gewinnen, als er "mit seinem Latein am Ende war". Gott konnte erst in dem Moment wirklich zu Abraham durchdringen, als dieser im Vertrauen auf Gott alles aufs Spiel gesetzt hatte.
Isaak war der lange ersehnte Sohn, der, den Gott dem Abraham als Erbe und Vater einer unzählig großen Menge von Nachkommen gegeben hatte. Abraham war bereit, im Gehorsam auf Gott seinen Sohn und damit auch seine Zukunft und seine Vision zu opfern. Er ahnte nicht, dass Gott ganz anders ist, als er ihn zu kennen glaubte.
Schön und gut - aber wie hätten wir uns verhalten?
Für mich war das ein Problem. Irgendwie ist diese Geschichte auch zu einem Teil meine Geschichte geworden: Für eine Vorstellung von Gott, eine Meinung über Gott, habe ich Jahre meines Lebens damit verbracht, einen "gottwohlgefälligen Lebensweg" zu gehen, um dann zu erkennen, dass das nicht Gottes Sicht über mich war! Mehr dazu habe ich hier geschrieben: Mein Weg mit Gott.
Hätte ich mit 18 verstanden, was ich heute mit 40 zu verstehen meine, wäre mein Berufsweg vielleicht geradliniger verlaufen...
Tragisch ist das alles nicht verlaufen. Auch wenn wir nicht viel von Gott verstehen, und sich daran im Laufe unseres Lebens nicht wirklich was ändert, so kann Gott hervorragend mit unserer begrenzten Erkenntnis umgehen.
Paulus, ein Mann, der nicht wenig irrte, schreibt: "Das eine aber wissen wir: Wer Gott liebt, dem dient alles, was geschieht, zum Guten." (Die Bibel, Römer Kapitel 8, Vers 28). Die Wahrheit dieser Worte habe ich oft erlebt. Ich freue mich, dass Gottes Verheißungen größer sind als mein Begreifen. Wahrscheinlich hätten auch Abraham und Isaak das folgende Lied aus ganzem Herzen mitgesungen:
"Ich will den Herren loben allezeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein, denn des Herren Wort ist wahrhaftig und was er zusagt, das hält er gewiß"
(Lied 149, Gemeindelieder, Oncken Verlag Wuppertal und Kassel 1979)